Ziel des Neurotrainings

Ziel des Neurotrainings ist es, eine Wiederherstellung gestörter Hirnfunktionen zu erreichen, d.h. den Patienten in die Lage zu versetzen, möglichst viele seiner früheren Aktivitäten wieder ausführen zu können. Es geht dabei vor allem um eine Verbesserung des Hirnleistungsniveaus. Neben den einzelnen Hirnfunktionen werden beim Training auch Lern- und Problemlösungsstrategien berücksichtigt. Da es bei der Ausführung vieler Tätigkeiten auf die Abfolge und Koordination einzelner (Hand-)Bewegungen ankommt, zielt das Training auch auf eine Verbesserung der motorischen Fertigkeiten. Um eine optimale soziale Reintegration des Patienten zu erreichen, werden beim Training auch Verhalten und Krankheitsverarbeitung thematisiert. Dem Patienten bietet das Neurotraining eine Gelegenheit, in geschützter Umgebung und unter therapeutischer Führung neue Erfahrungen zu machen.

Um den verunsicherten Patienten neues Selbstvertrauen zu geben, liegt der Schwerpunkt des Neurotrainings zunächst darin, Funktionsbereiche, welche vergleichsweise gut erhalten sind, hervorzuheben und zu stärken. Der nächste Schritt ist dann das gezielte Eingehen auf die gestörten Funktionen. Im Verlauf des Trainings lernt der Patient, wie mit seinen Schwierigkeiten umzugehen ist und wie diese sich eingrenzen und/oder kompensieren lassen.

 

Indem der Patient praktisch erfährt, welche Hirnleistungen intakt sind und wo seine Schwierigkeiten liegen, gelangt er zu einer besseren Selbsteinschätzung und Selbstakzeptanz, was sich positiv auf die weitere psychosoziale und berufliche Eingliederung des Patienten auswirkt.


Durch die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Therapieinhalt kann beim Patienten ein Interesse für neue Gebiete geweckt werden. Er wird angeregt, beispielsweise über ein bestimmtes Thema ein Buch zu lesen, Bilder genau zu betrachten, eine Fernsehsendung anzuschauen oder sich vermehrt seiner Umgebung zuzuwenden. Dies ist von besonderer Bedeutung, da oft frühere Hobbys durch die Behinderung nicht mehr gepflegt werden können. Durch das Interesse am Inhalt erhöht sich auch die Lernbereitschaft und die Motivation. Der Patient soll ja wieder  "lernen zu lernen"  und die für ihn nun geeignetste Lernstrategie herausfinden und im Alltag anwenden. Lernen bedeutet in diesem Fall die Verknüpfung und Anpassung alter Erfahrungen an neue Situationen.

 

Quellenangabe: Neurotraining 3. Auflage

von Verena Schweizer