Rückschulung

Allgemeine Hinweise:

Die Rückschulung auf die dominante linke Schreibhand bedeutet weit mehr als nur ein Schreibenlernen mit der linken Hand. Vielmehr stellt sie einen Eingriff in bestehende intellektuelle und psychische Strukturen und Strategien dar.

Als Grundvoraussetzung für eine Rückschulung muss eine positive Einstellung des Kindes oder des Erwachsenen zur Linkhändigkeit und zur Rückschulung angesehen werden.

Es sollten auch Personen des unmittelbaren Umfeldes von der Rückschulung in Kenntnis gesetzt werden, wie Eltern, Ehepartner, Geschwister und Freunde.

Günstig für eine Rückschulung sind ruhige, stress-und konfliktfreie Lebensphasen. Die Ferien bieten für die Schulkinder eine geeignete Zeit, eine Rückschulung zu beginnen. Die motorische Geschicklichkeit der "neuen Schreibhand" kann in aller Ruhe erprobt und verbessert werden. In der Grundschulzeit sind die äußeren Umstände mitunter günstiger. Allerdings zeigt sich in höheren Klassen oft eine bessere eigene Bereitschaft und eine bewusstere Mitarbeit an der Rückschulung, dem oft wieder die schon sehr eingeübte Schrift mit der nicht dominanten Hand entgegenwirken kann. Auch familiäre harmonische Bedingungen sind äußerst wichtig und förderlich.

Es ist nicht sinnvoll, alle Tätigkeiten mit der rechten Hand völlig zu untersagen. Automatisierte Handlungen, die keine intellektuellen Belastungen hervorrufen, sollen nicht unbedingt verändert werden, um den Körper und das Gehirn nicht unnötig zu überlasten. Aber: neue Tätigkeiten können von Anfang an mit der dominanten (richtigen) Hand erlernt werden (Musikinstrument, Umgang mit Werkzeug).

Die Rückschulung ist ein Prozess, der einen gewissen Zeitraum beansprucht, Erfolge stellen sich nicht immer rasch ein. Jeder Mensch ist eine andere Persönlichkeit und reagiert verschieden auf neue oder veränderte Situationen. Der Verlauf der Rückschulung hängt zudem von einer Reihe persönlicher Faktoren ab.

Allen Beteiligten sollte klar sein, dass eine Rückschulung keinesfalls alle Schwierigkeiten beseitigt.

 

Hinweise für Lehrer:

Während der Rückschulung kann es zu unerwarteten, überraschenden Reaktionen kommen. Eine Steigerung der Konzentration und des Selbstbewusstseins. aber auch vorübergehend ein Abfall der Konzentration sind möglich. Plötzlich (wieder) auftretende Spiegelschrift oder Spiegelungen einzelner Buchstaben können ebenso Begleiterscheinungen sein wie ein allgemeiner Leistungsabfall.

Gespiegelte Ziffern oder Buchstaben sollten nicht gleich als Fehler angestrichen werden. Es kann auch zu einer nicht geschlossenen Schreibweise einiger Buchstaben (a, o) oder zu Lücken im Wort kommen. Auch das Schriftbild lässt mehr und mehr nach. Mitunter herrscht regelrechtes Chaos im Kopf! Hier benötigt das Kind enorme Unterstützung und Aufmunterung, um nicht aufzugeben und diese Phase durchzustehen.

Die Schrift ist Merkmal der individuellen Persönlichkeit und die angestrebte Form sollte kein Dogma sein. Grundsatz muss das Bemühen um eine saubere, leserliche Schrift sein. Die Neigung der Schrift steht mit der Persönlichkeit in engem Zusammenhang: Viele Linkshänder schreiben auch links geneigt.

Anfangs ist die linke Hand beim Schreiben noch stark verlangsamt.

Beim Diktat sollte mehr Zeit eingeräumt werden. Bei Klassenarbeiten (Mathe, Heimatkunde, Chemie, Physik...) bieten kopierte Aufgaben eine Hilfe, um sofort mit der Lösung beginnen zu können.

Der Rückschulende sollte möglichst nicht mehr beim Schreiben auf die rechte Hand wechseln. Ein freundlicher Hinweis oder die Erinnerung, die richtige Schreibhand zu benutzen, kann helfen.

Aussicht auf Erfolg hat eine Rückschulung nur, wenn alle Beteiligten an einem "Strang" ziehen.

 

Quelle: Anke Golfier, Grundschullehrerin und Carola Lange, Dipl.-Sozialpäd.